Autor Thema: Macht Armut so verzweifelt?  (Gelesen 2730 mal)

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Offline Vonkrumm

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Macht Armut so verzweifelt?
« am: 04. 12. 2007 | 05:06:26 »
Hoi Zämma

Mir ist zum erstenmal im Leben etwas geschehen, dass ich zwar gelesen habe, aber nicht so glauben wollte.

Kleine Geschichte (aus den Philippinen):
Ich fuhr wie immer mit meinem Motorrad aus dem Tor unseres "besseren" Quartiers. Schöne Häuser und bewaffnete Sicherheitsleute.

Ich rollte ganz alleine auf der Strasse und fuhr mit ca. 50 km/h Bergaufwärts.

Etwa 100 m entfernt, auf der Landstrasse, wartete ein Vater (aus der Armenschicht) ganz klar ersichtlich, dass ich vorbeifuhr und hielt seine kleine Tochter (etwa 8 Jahre alt) fest in der Hand.  Dabei schaute er mich konzentriert an.

Ich sah die Beiden und passte mit "Bremsbereitschaft auf". Als ich auf einer Position war, wo ein Bremsen dann nicht mehr möglich gewesen wäre, lies der Vater die Tochter los und gab ihr ein Schupps, um über die Strasse zu rennen. Ich zog instinktiv an der vorderen Scheibenbremse, driftete schlinternd nach rechts ab. Es hob mich fast aus dem Sattel. Ein Sturz hätte meinen alten Knochen ja nicht gut getan.

Aber hatte irre Glück. Die Kleine bekam es bei dieser Übung es mit der Angst zu tun und bremste mitten auf der Landstrasse ab.

Ich stoppte, schaute nach hinten und sah den Vater noch hämisch grinsend verschwinden. Die Tochter war schon weg.

Da kommt mir noch in den Sinn:
Als Nicht-Asiat habe ich hier vor Gericht Null Chancen.
Eine Todesfallentschädigung beträgt umgerechnet Euro 800.-- plus Bestattungskosten.
Eine Invalidenentschädigung (und das hätte sich wahrscheinlich ergeben) muss hier lebenslänglich, monatlich bezahlt werden.

Darum meine Frage: Macht Armut so verzweifelt?

« Letzte Änderung: 04. 12. 2007 | 07:08:32 von Vonkrumm »
Die Wahrheit schmerzt 5 Minuten lang. Die Lüge ist ewiger Schmerz. - Vonkrumm

Offline Dana

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Re: Macht Armut so verzweifelt?
« Antwort #1 am: 06. 12. 2007 | 01:12:34 »
Das ist ja ein heftiges Erlebnis und macht mich sehr betroffen. :'(

Aber ich denke es ist wohl tatsächlich so gewesen das der Vater es auf eine Invalidenrente (also ein regelmäßiges lebenslanges Einkommen) abgesehen hatte.

Traurig zu was menschen fähig sind. Aber man muss auch die Verhältnisse berücksichtigen die einen Menschen soweit erst bringen. Hier in D gibt es
ja auch solche organisierten Bettlergruppen, wo die Kinder teilweise verkrüppelt sind und dann beim betteln der "Eltern" schweigend daneben sitzen.
Allerdings weiss man nicht ob die von geburt an diese Beschädigung hatten oder ob sie absichtlich beigefügt wurde.

Deutsche reagieren, wenn sie in finanzieller not sind ja meistens anders......manch einen den die Schulden zu sehr drücken, treibt es in den Freitod.

:(  Diese Welt ist kalt und unmenschlich.

LG
Dana

Klingsor

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Re: Macht Armut so verzweifelt?
« Antwort #2 am: 15. 01. 2008 | 12:22:58 »
Es ist die Armut an Gefühlen in allen Gesellschaftsordnungen, denn diese Ordnungen entsprechen vielfach nicht mehr dem menschlichen Auskommen, sondern der Bereicherung einiger Weniger. Diese Energetik ist global zu beobachten. Waren es zuerst die so genannten 3-Weltländer, greift diese Ausbeuterenergetik nun auf uns zurück, bzw. über. Das Resonanzgesetz ist einfach nicht zu überlisten!
Was wir in Deutschland als Armut bezeichnen, ist das Fehlen von Finanzen zum Kauf von oftmals unsinnigen Dingen, die uns in der Werbung als Lebensnotwendig vorgegaukelt werden. Obwohl ich zu den noch Gutverdienenden gehöre, benötige ich im Monat weniger Geld für mein Überleben als z.B. meine Tochter, die das Dreifache "dringend" benötigt. Es ist halt alles auch hier relativ...

Schönen Tag noch,

Klingsor