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Heilte Jesus nach Nlp Methoden?
« am: 03. 10. 2006 | 04:41:10 »
Heilte Jesus nach Nlp Methoden?
Diesen Artikel fand ich zufällig, aber lest mal selber.

 
Zitat
Wolfgang Lenk
Heilungsstrategien des Jesus von Nazareth aus NLP-Sicht
Vortrag auf dem Erickson-Kongress in München, 10/95
Erscheinungsjahr 2001
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung ............................................................................................................................2
1. Schnelle ökologische Symptombeseitigung.....................................................................3
2. Die Bedeutung von Glaubenssystemen...........................................................................3
"Dein Glaube hat dir geholfen" ........................................................................................4
Das geteiltes Haus ..........................................................................................................4
"Herr, hilf meinem Unglauben" ........................................................................................5
3. Sich Hilfe holen ...............................................................................................................6
4. Sein Leben auf das Spirituelle ausrichten........................................................................7
5. Sich der "wahren" Wirklichkeit versichern .......................................................................8
Schluss................................................................................................................................9
Anmerkungen:...................................................................................................................10


Einleitung
Auf dem großen Kongress "Evolution of Psychotherapy" 1995 in Hamburg sagte der Direktor
der Milton H. Erickson Foundation (USA) Jeffrey Zeig, sinngemäß in seinem Beitrag:
Die Psychotherapie habe sich, um sich wirklich fundiert entwickeln zu können, vor etwa
100 Jahren aus der kirchliche Seelsorge gelöst und auf das damals vorherrschende
Wissenschaftsmodell gesetzt und sich im weiteren Verlauf dann scharf gegen die Religion
abgegrenzt. Das hat die Fülle der heutigen Einsichten in psychische Veränderungsprozesse
ermöglicht. Vielleicht sei aber inzwischen die Zeit reif geworden, daß die Psychotherapie
mit ihrer speziellen Zugangsweise sich der spirituellen Dimensionen des menschlichen
Lebens wieder annehmen könne.
Robert Dilts hat in der NLP-Tradition des Modeling mit NLP-Werkzeuge die Berichte im
Neues Testament über das Wirken von Jesus von Nazareth untersucht und deutlich machen
können, dass man viele Textstellen, die vielleicht etwas wunderlich wirken, mit NLPKonzepten
recht gut interpretieren könnte.
Das Neue Testament (1) beschreibt das christliche Verständnis der spirituellen Dimensionen
der menschlichen Existenz. Natürlich gab und gibt es sehr verschiedene Interpretations-
Modelle, um die im Neuen Testament durch die Jahrhunderte überlieferten Texte
über das Wirken von Jesus von Nazareth auszudeuten, im Kontext der jeweiligen Kultur zu
verstehen und in Beziehung zu setzen zur eigenen Lebenspraxis. In jüngerer Zeit wurden
die Handlungen von Jesus von Nazareth wieder und wieder auch psychotherapeutisch
interpretiert (2).
Im vorliegenden Beitrag:
(1) geht es um die historische Figur oder fiktive Figur im Sinne eines Mythos Jesus von
Nazareth und sein im Neuen Testament berichtetes Wirken (3);
(2) ist der methodische Ausgangspunkt die historisch-naive Bibelinterpretation (4);
(3) werden nur einige seiner Heilungsstrategien für die Behandlung einzelner Menschen
diskutiert; es wird nicht eingegangen auf "Interventionsstrategien" für Gruppen und soziale
Systeme;
(4) werden einige Heilungsstrategien aus NLP-Sicht interpretiert.
Das NLP der 90er Jahre hat einige Modelle hervorgebracht, die den subjektiven Erfahrungsraum
für die spirituellen Aspekte des Lebens öffnen, z.B. Core Transformation
Process (Andreas (5)) oder Aligment Process (Dilts (6)). Auf der NLP-Landkarte von der
Struktur der subjektiven Erfahrung dieser Welt haben spirituelle Erfahrungen also ihren
Ort. So bietet es sich an, NLP als Interpretationsmatrix für einige Textstellen des Neuen
Testaments zu nehmen und auf diese Weise dort skizzierte Heilungs-Strategien zu verstehen.
Den Texten zufolge richtete Jesus von Nazareth sein Leben und Handeln an der
Mission aus, Menschen (in einem umfassenden Sinn) zu heilen und sein Wissen und seine
Einsichten in die menschliche Existenz aus diesem Grunde weiterzugeben. In den Geschichten,
die er erzählte, in den Antworten, die er auf die vielen Fragen gab, und in den
Heilungen, die er laut Bibel vollbrachte, zeigt sich ein sehr differenziertes Menschenbild.
Darüber hinaus wird auch ein sehr differenziertes Verständnis davon deutlich, wie Menschen sich ihr Realitätserleben konstruieren. Jesus von Nazareth muss auch so etwas wie
eine Krankheitstheorie gehabt haben, denn er hat nicht alle Menschen gleich behandelt,
selbst bei gleichen Symptomen, sondern er hat sehr verschiedene Hilfestellungen auf
unterschiedlichen Ebenen gegeben. Manchmal erzählten während der Heilung Geschichten,
manchmal nicht; manchmal berührte er die Menschen, z.B. an den Augen, manchmal
nicht; manchmal stellte er kritische Fragen, manchmal nicht (7). Offensichtlich hat Jesus
Heilung als einen komplexen Prozess aufgefasst, in dem mehrere Aspekte oder mehrere
Ebenen involviert sind, die man vielleicht vereinfachend wie folgt systematisieren kann:
1. ökologische Symptomheilung
2. Veränderung von Einstellungen und Glaubenssystemen
3. Sich (im Gebet) Hilfe holen
4. Sein Leben auf das "Spirituelle" ausrichten
5. Sich der "wahren" Wirklichkeit versichern.
1. Schnelle ökologische Symptombeseitigung
Wiederholt wird beschrieben, dass Jesus Symptome schnell kurierte oder in der damaligen
Zeit unheilbare körperliche Leiden heilte, so z.B. die Schwiegermutter des Petrus von
ihrem Fieber, oder Aussätzige oder von bösen Geistern Besessene von ihren Krankheiten.
Aber offenbar verstand er das nicht einfach als "Wegmachen" des Symptoms, sondern er
hatte wohl ein Konzept von dem, was wir im modernen Psychotherapie-Jargon die
Ökologie der Veränderung nennen. Das wird deutlich, als er in einer langen metaphernreichen
Rede die Frage erörterte, ob er austreibe (die Pharisäer warfen ihm vor, er treibe im
Namen des Teufels aus) oder heile.
MATTH,12:43
Wenn der unsauberer Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandelt er dürre
Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. Da spricht er denn: Ich will wieder umkehren in
mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's leer, gekehrt und
geschmückt. Dann geht er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind als
er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie allda; und es wird mit demselben Menschen
hernach ärger als es zuvor war!
2. Die Bedeutung von Glaubenssystemen
Viele Heilungsgeschichten haben jedoch einen anderen Fokus: es geht um nicht nur ausschließlich
darum, von einem körperlichen Leiden zu genesen, sondern wohl vor allem um
die Klärung und Festigung produktiver innere Überzeugungen und Einstellungen, um die
Schaffung eines konstanten Glaubenssystems.

"Dein Glaube hat dir geholfen"
So wird beispielsweise Jesus in der Nähe von Jericho von einem blinden Bettler um Heilung
gebeten:
LUKAS,18:40
Jesus sprach: Was willst Du, dass ich Dir tun soll? Er sprach: Herr, dass ich wieder sehen
möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald
ward er sehend.
Jesus hat nicht einfach seine heilenden Hände aufgelegt, wie es in anderen Textstellen der
Bibel beschrieben wird, sondern erst etwas gefragt! Möglicherweise, um den "Klienten"
innerlich zu fokussieren, um sein Bewusstsein auf das wichtigere Thema zu konzentrieren.
Jesus hat nicht einfach gefragt: was willst du? Sondern: was soll ICH, Jesus, für Dich tun.
Und offenbar ohne Zögern, ohne inneren Vorbehalt oder Zweifel - in der modernen Sprache
des NLP oder der Hypnotherapie könnte man wohl sagen: kongruent - antwortete der
Bettler! Er war also offenbar fest davon überzeugt, dass Jesus die Fähigkeit habe, ihn zu
heilen. Es wird nicht berichtet, dass Jesus etwas tat wie beispielsweise die Hand aufzulegen,
sondern stattdessen sagte er: Sei sehend! Ich glaube, Jesus setzte die körpereigenen
Selbstheilungskräfte voraus und funktionalisierte die Einstellung des Bettlers für
dessen eigenes Ziel - in der Sprache der Erickson'schen Psychotherapie könnte man sagen,
er utilisierte den Glaubenssatz des Mannes. Und Jesus tat jedoch noch mehr und
sagte: DEIN Glaube hat Dir geholfen, so als wollte er dem Bettler durch diese Erfahrung zu
einer weiteren Überzeugung verhelfen, nämlich zu dem Glaubenssatz, dass kongruente
innere Überzeugungen eine Schlüssel für Heilung und Veränderung sind. Und schließlich
wird in dieser Textstelle betont, dass Heilung ein Prozess ist: der Bettler konnte nicht sofort,
nicht schlagartig wieder sehen.
In der sozialen Interaktion steckt auch eine interessante Logik. Der Bettler glaubt kongruent
an heilende Potentiale, allerdings außerhalb seiner Bewussten Körperbeeinflussung,
außerhalb seiner bisher Bewussten eigenen Möglichkeiten. Es geht aber nicht um Medikamente,
Heilkräuter oder etwas Ähnliches. Vielleicht kann man die Interaktion deshalb wie
folgt interpretieren. Es ist, als würde der Bettler sagen: "Ich glaube an Dich, Jesus, und
Deine Fähigkeiten zu heilen". Jesus nimmt die Botschaft an, und seine Reaktion ist aber,
als würde er im Wesentlichen antworten: "Ich wiederum glaube an Dich und Deine Fähigkeiten,
dich selbst zu heilen", eine der Grundhaltungen, die die auch Ericksonianer vertreten.
Das geteiltes Haus
In der oben schon zitierten Rede (MATTH,12:43) sagt Jesus den Pharisäern auch folgendes:
MATTH,12:25
Ein jegliches Reich, wenn es mit sich selbst uneins wird, das wird verwüstet; und eine jegliche
Stadt oder Haus, wenn es mit sich selbst uneins wird, kann nicht bestehen.


Für heute verstärkt diskutierten dissoziativen Identitätsstörungen (Multiple Persönlichkeitsstörungen) ist das sicherlich eine passende Metapher. Aber ich denke, sie passt auch sehr genau auf die Funktion der meist nicht bewussten, inneren Einstellungen (in der Sprache moderner Psychotherapie: Glaubenssätze) eines Menschen. Und da Glaubenssätze die Wahrnehmung, das Fühlen, das Denken und das Handeln regulieren, wird es bei einander
widersprechenden Glaubenssätze leicht zu Problemen kommen. Wie in anderen modernen
Psychotherapien geht man auch im NLP davon aus, dass Glaubenssätze ein komplexes
kognitiv-emotionales System bilden. Wenn es um einen Heilungsprozess geht und
limitierende Glaubenssätze verändert werden, dann kann also die Veränderung eines einzelnen
Glaubenssatzes die anderen beeinflusst. Genauer: die Auflösung einer Einschränkung
in einem Glaubenssatz eine stärkere Einschränkung in einem anderen nach sich ziehen
kann. Um dieses manchmal sehr komplexe System in seiner Dynamik einigermaßen
zu erfassen, wird bei der NLP-Therapie schwerer Erkrankungen oder hartnäckiger
Problemen mit einem fünf-dimensionalen Modell (8) sorgfältig untersucht, ob der
Klient wirklich kongruent davon überzeugt ist, dass:
a) sein Ziel wünschenswert und lohnenswert ist;
b) es potentiell möglich ist, dass Ziel zu erreichen;
c) der Weg und die Mittel zum Ziel für ihn ökologisch sind;
d) er die Fähigkeiten besitzt, den Weg zu gehen, die Mittel anzuwenden;
e) er das Ziel verdient.
Erst wenn all diese Glaubenssätze gleichzeitig kongruent bejaht werden, hat die Heilung,
so nimmt man an, gute Chancen. Wenn aber nur einer angezweifelt wird, ist das "Haus
uneins".
"Herr, hilf meinem Unglauben"
In einer anderen Geschichte wird berichtet, daß ein Vater seinen Sohn, der vermutlich epileptische
Anfälle hatte, mit der Bitte um Hilfe und Heilung zu Jesus brachte. Während des
Gesprächs fiel der Sohn auf die Erde und "wälzte sich und schäumte". In der dramatischen
Situation schrie der Vater:
MARKUS,9:22
Kannst Du aber was, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach: Wie sprichst
Du: Kannst Du was? Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Alsbald schrie des Kindes
Vater: Ich glaube, hilf meinem Unglauben.
Offensichtlich glaubte der Mann, dass Jesus die Fähigkeit habe, seinem Sohn zu helfen.
Deshalb war er ja gekommen und deshalb sprach er schließlich Jesus an. Jesus hörte
aber offenbar den Vorbehalt des Mannes, seinen latenten Zweifel, den anderen widersprüchlichen
Glaubenssatz. So als habe der Vater, völlig anders als der blinde Bettler,
auch gesagt: vielleicht kannst du ja doch nichts und alle Anstrengungen, um dich aufzusuchen,
waren völlig sinnlos und vergeblich. Jesus spiegelte ihm das zurück, brachte den
latenten Vorbehalt gewissermaßen ins Bewusstsein und wies ihn auf die Notwendigkeit
kongruenter innerer Überzeugungen hin. Offenbar spürte der Vater seinen inneren Widerspruch
und machte wie viele heutige Klienten die leidvolle Erfahrung eines tiefen inneren
Konfliktes, als würden zwei Glaubenssysteme sozusagen miteinander kämpfen. Und möglicherweise wurde ihm auch bewusst, dass er damit, systemisch gesehen, den möglichen
Heilungsprozess des Sohnes behindern könnte, denn er sagte nicht: Hilf wenigstens ihm!
Sondern er schrie: Ich glaube, Herr hilf meinem Unglauben.
Diese Aussage gibt eine interessante logisch mentale Konstruktion wieder. Der Vater trifft
eine Entscheidung und identifiziert sich mit der einen Seite des Konflikts, statt auf seiner
Ambivalenz zu beharren. Er vertraut dem mindestens potentiell eine Lösung ermöglichenden
Glaubenssatz, den Jesus ja in seiner Weise kurz vorher formuliert hat. Er sagt aber
weder "Hilf MIR" noch "LÖSCHE den Unglauben AUS" sondern: "HILF meinem Unglauben",
so als wäre es etwas Lebendiges, was gewürdigt werden müsse, oder etwas, was
sich mit geleisteter Hilfe verändern bzw. transformier kann. Im NLP gilt das Axiom, daß
hinter jeglichem Verhalten eine positive Absicht zu finden ist. Somit speist sich auch ein
limitierender, im Klienten "aktiver" Glaubenssatz aus einer positiven Absicht, und er kann
dann leicht transformiert werden, wenn die positive Absicht gewürdigt wird. Für mich ist ein
auf diesem Glaubenssatz aufbauendes Menschenbild spirituell.
3. Sich Hilfe holen
In einer anderen Situation baten die Jünger Jesus, ihnen das Beten beizubringen. Offenbar
hatten sie ein stimmiges Glaubenssystem, verfügten aber nicht über diese gewünschte
Fähigkeit der Ansprache oder Zwiesprache mit Gott. Jesus lehrte sie das "Vater unser"
und sagte ihnen in diesem Zusammenhang:
LUKAS,11:09
Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werden ihr finden; klopfet
an, so wird euch aufgetan.
Für mich ist das eine der schönsten Textstellen im Neuen Testament. Jesus erklärt in dieser
Orientierung für die innere Ansprache oder Zwiesprache, dass es immer Hilfe gibt! Im
modernen NLP-Kontext könnte man das so verstehen: wenn die eigene Landkarte absolut
keine Lösungen mehr für ein Problem enthält, weil sie zu undifferenziert ist, dann hilft
diese "universale" Methode zur Bewältigung des Problems doch weiter.
"Suchet" den richtigen Ansprechpartner und die richtige Ansprache, denn dann "werdet ihr
finden". Dazu ein kleiner Ausschnitt aus einer NLP-Therapie (die ich teilweise schon an anderer
Stelle publiziert habe (9)):
Zu mir kam ein Mann Ende 40, krebskrank. Die Ärzte sagten ihm, dass sie nichts mehr für
ihn tun könnten. Er war engagierter Lehrer und in seiner Freizeit mit großem Spaß professioneller
Musiker, der mit einer Sängerin gemeinsam erfolgreich Platten produziert hatte.
Im Verlauf der Therapie, sozusagen in einer Art groß angelegtem Reframing ist sein Krebs
sein von ihm akzeptierter Lebensberater geworden, mit dem er eine Art Zwiegespräch
führen konnte. Die Krankheit hatte er in Form einer Krake visualisiert. Er suchte Antworten
auf die Frage, wie er sein Leben jetzt sinnvoll weiterführen könne, wie er mit seinen Lebensproblemen
konstruktiv umgehen könne. Er "suchte und fand" die Krake als Ansprechpartner. Er "bat" um Antworten, und die Krake "gab" ihm konkrete Ratschläge und
Hilfestellung. In dem inneren Zwiegespräch sagte die Krake ihm: um seinen stress zu
reduzieren und wieder mehr Freude am Leben zu finden, müsse er wieder Musik machen.
Klient:: Ja, das ist eigentlich mein Wunsch, aber es geht nicht, ich bin mit der Sängerin
tödlich zerstritten.
Krake: Er soll sich mit der Sängerin versöhnen.
Klient:: Ja, das wäre schön, wir haben uns schon einmal nach einem heftigen Streit wieder
versöhnt, aber diesmal geht es eben nicht.
Ich bat ihn, herauszufinden, was genau sein Einwand sei.
Klient: Ich weiß nicht, wie ich den Kontakt wieder herstellen soll.
Krake: Er soll sie anrufen.
Klient: Ja, aber ich weiß nicht, was ich ihr sagen soll am Telefon.
Krake: Er soll ihr vorschlagen, in einem Lieblingslokal von ihr ein Versöhnungsessen zu
machen.
Klient: Ja, ist vorstellbar, haben wir auch schon mal nach einem anderen Streit gemacht.
Aber welches Lokal?
Und die Krake nannte ihm auch das Lokal, so dass der Klient im Rahmen seiner Fähigkeiten
schließlich die Schritte zum Ziel der Versöhnung gehen konnte und in der folgenden Sitzung
auch von den neuen gemeinsamen Musikprojekten erzählte.
4. Sein Leben auf das Spirituelle ausrichten
In einer anderen Situation beschreibt Jesus einen fundamentalen Wert für Wachstum und
Entwicklung, Problemlösungen und Veränderungen.
LUKAS, 9:24
Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um
meinetwillen, der wird's erhalten! Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, ob er die ganze
Welt gewönne und verlöre doch sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst?
Auch diese Textstelle klingt ein wenig paradox. Aus NLP-Sicht muss man sie nicht so deuten,
dass erst der Verlust des körperlichen Lebens im "Auftrag des Herrn" zu ewigen Leben
im Jenseits führe. Ähnlich wie in anderen modernen Psychotherapien gehört auch im NLP
die Analyse des Bedeutungskontextes einer angestrebten Veränderung zu den grundlegenden
Vorgehensweisen. Dazu eine kurze Skizze einer psychotherapeutischen Intervention:
Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich die Gelegenheit, mit einem Mann Ende 30 zu arbeiten.
Sein Problem: Genitalherpes, der gerade dann immer auftrat, wenn er es überhaupt nicht
gebrauchen konnte, wie er betonte. Er schilderte mir seine Symptomatik sehr wach, prägnant
und klar. Da er auch glaubte, dass diese Symptomatik einen "tieferen" Sinn habe,
den er aber nicht kannte, bot ich ihm den ersten Teil des Core Transformation Prozess. So
fragte er in einem inneren Zwiegespräch den "die Symptomatik produzierenden Teil": Auf
welche wichtigen Dinge willst Du mich mit Deiner Aktivität aufmerksam machen. Und
nachdem er die Antwort auf diese Frage gehört und verstanden hatte, die nächste Frage:
Angenommen, ich hätte das, was Du willst, schon voll und ganz verwirklicht, auf welche
guten Dinge darüber hinaus willst Du mich aufmerksam machen. Mit dieser Fragestrategie
ergab sich folgende Kette von aufeinander aufbauenden Antworten:
1. Verhalte dich wahrhaftig, sei wirklich ehrlich zu Deinem Sexpartner und Dir selbst;
2. Schütze dich physisch, Du lebst im Zeitalter von Aids;
3. Sei ganz präsent, achte auch auf die scheinbaren "Nebensächlichkeiten", nimm alles
wahr und würdige es;
4. Liebe das Ganze, erlebe Deine Liebe zu allen Menschen;
5. Erlebe dich als Licht, unabhängig vom körperlichen Leben und Sterben.
Der Klient war zutiefst berührt. Wir sprachen kurz darüber, dass in der Bibel steht, dass Jesus
gesagt hat: Ich bin das Licht und das Leben. Der Klient sagte, die 5. Antwort enthalte
seinen tiefsten und wichtigsten Wunsch, er habe aber bisher nicht gewusst, wie er damit
umgehen könne. Ich erklärte ihm die Vorgehensweise wie im Abschnitt 3.
Welches "Leben" hätte er gewonnen, wenn er lediglich das Symptom losgeworden wäre?
Welchen Nutzen hätte das gehabt? Welches Leben kann oder könnte er jetzt gestalten,
nachdem er den Bedeutungskontext verstanden hat und Möglichkeiten finden kann, sein
Leben auf seinen wichtigsten Wunsch auszurichten.
5. Sich der "wahren" Wirklichkeit versichern
Jesus sprach wiederholt davon, dass alle Menschen Kinder Gottes sind und dass sie nach
Gottes Reich streben sollen. Eine der Charakterisierungen des Reiches Gottes gibt er in
einer Diskussion mit den Pharisäern:
LUKAS,17:20
Da er aber gefragt ward von den Pharisäern: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete
er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es mit Augen sehen
kann; /man wird auch nicht sagen: Siehe, hier! oder: da! Denn siehe, das Reich Gottes ist
mitten unter euch!
Es gibt eine Reihe von Bibelstellen, die in ähnlich etwas paradoxer Weise das Reich Gottes
beschreiben. Das Reich Gottes existiert also schon auf Erden, gleichwohl kann man es
nicht in gewohnter Weise mit seinen fünf Sinnen wahrnehmen. Man muss also wohl etwas
tun, um es wahrnehmen zu können.
Zu den grundlegenden Arbeits-Konzepten des NLP gehört (a) die Struktur der subjektiven
Erfahrung der Welt und (b) der innere Zustand, in dem man die Ereignisse in dieser
Welt erlebt. Damit könnte man die Aussage über das Reich Gottes in einer Weise interpretieren,
die die kleine Skizze einer NLP-Therapie illustriert:
Zu mir kam ein Mann, Ende 20 und schilderte mir seine Probleme; er tat das sehr konzentriert,
prägnant und knapp. 1) als Erzieher für schwer erziehbare Jugendliche fühlt er sich
ausgebrannt, leer und glaubt den Beruf nicht mehr ausüben zu können. 2) er hatte seit
vielen Jahren gekifft und damit den stressigen Berufsalltag kompensiert. Jetzt aber möchte
er damit aufhören, was ihm fast unmöglich erscheint. 3) er ist mit einer Frau zusammen,
und fragt sich seit Jahren, ob das wirklich die richtige ist. 4) er hat mit ihr zwei kleine Kinder,
eines ist gerade ein halbe Jahr alt und das stresst ihn sehr 5) diese Familie aus vier
Personen lebt in Berlin-Kreuzberg in 1 1/2 Zimmern.
Als wesentliche Hilfestellung bot ich ihm den Aligement Prozess an und fragte, ob er das
Gefühl oder den Zustand kennt, ganz er selbst zu sein, ohne Einschränkung. Ja, er verkaufe
er hin und wieder Blumen am Ku-Damm in Berlin; und an einem kalten und regnerischen
Novemberabend im Lärm und Gestank des Verkehrs habe er für einen Augenblick
dieses Gefühl gehabt. Mit NLP-Methoden explorierte er retrospektiv die Situation und
machte sich die folgenden Erlebensaspekte ganz bewusst und intensiv zugänglich.
UMGEBUNG: eine belebte Straße, kalt, regnerisch, der Lärm der Autos, viele
Lichter
VERHALTEN: gerade über die Straße zu gehen, beinahe tanzend, sehr leicht, dabei
die Autos im peripheren Blickfeld, fast mehr hörend als sehend
FÄHIGKEITEN: der Körper geht wie von allein, "es geht" mühelos und leicht,
wie "im Fluss" zu sein und irgendwie alles wahrzunehmen
GLAUBENSSATZ: (in diesem Augenblick) zutiefst davon überzeugt sein, dass
eigentlich alles vorhanden ist, was zum Leben notwendig ist
IDENTITÄT: "Ich bin wie Hans im Glück!"
SPIR. KONTEXT: die Natur und das sich immer wieder erneuernde Leben auf diesem
Planeten
Diese nachträgliche Entdeckung, an diesem ungemütlichen Novembernachmittag sich wie
Hans im Glück zu fühlen, weil eigentlich alles vorhanden ist, was er für sein Leben braucht,
ließ seine Augen ganz von innen her leuchten. Und auch die zweite Entdeckung, dass er
die Fähigkeit besaß, willentlich immer wieder in diesen Erlebenszustand "hineingehen" zu
können, erlebte er voller Dankbarkeit. Ich stelle mir gerne vor, dass in diesem ressourcevollen
Zustand eine Ahnung von dem "Reich Gottes" erlebbar ist, auch wenn man es mit
den fünf Sinnen in gewohnter Weise nicht sehen kann, weil man gewohnheitsmäßig meist
in einem anderen Erlebenszustand ist.
Schluss
Als Jesus gefragt wurde, welche das vornehmste Gebot sei, gab er zur Antwort:
MARKUS,12:30
Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzen Herzen, von ganzer Seele, von ganzem
Gemüte und von allen deinen Kräften.
Wie Robert Dilts (10) herausgearbeitet hat, kann man dieses Gebot als eine Art Anleitung
zu einem Aligement Process verstehen, wenn man die folgenden Zuordnungen macht:
- Liebe Gott = sich ausrichten auf das höchste spirituelle Ziel,
- mit ganzen Herzen = Glaubenssätze und Werte ausrichten,
- von ganzer Seele = Identität (wer man wirklich ist) ausrichten,
- mit ganzem Gemüt (Verstand) = Fähigkeiten, kognitive Strategien ausrichten,
- mit allen deinen Kräften = Verhalten ausrichten.
Ich stelle mir gern vor, dass Jesus immer in diesem Erlebenszustand gewesen ist und deshalb
auch sagen konnte: Ich bin das Licht und das Leben. Ich glaube, wenn man den NLP
Alignment Process macht, kann man eine Ahnung davon bekommen. Und die Erfahrung
machen, dass in diesem Zustand die doppelte Aufforderung des anderen Gebots einem wie
selbstverständlich lebbar vorkommt:
MARKUS,12:31
Das andre ist dies: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst!
Anmerkungen:
(1) Zitiert nach: Die Bibel, revidierter Text 1964
(2) Stellvertretend seien hier genannt:
Deidenbach, Hans: Zur Psychologie der Bergpredigt; Fischer TB 1993
Drewermann, Eugen: Das Matthäusevangelium; Walter Verlag, 1994
(3) Im Hinblick auf die folgenden Überlegungen ist es nicht entscheidend, ob er Gottes
Sohn war oder nicht. Denn war er ihm christlichen Sinn Gottes Sohn, so hat er doch in
einem menschlichen Körper gelebt, wahrgenommen, gefühlt, gedacht und gehandelt. Insofern
wirkte er durch die "Neurologie", wie es im NLP genannt wird, und dieser Aspekt
lässt sich mit NLP-Methoden beschreiben. War er aber einfach nur ein außergewöhnlicher
Mensch, dann gilt erst recht, dass das "Modeling", wie es im NLP genannt wird, angewendet
werden kann.
(4) Ungeachtet der vielen Auseinandersetzungen über die historische Wahrheit der Bibel
(vergl. z.B. die Titelstory von Time-Magazin, 25/1995, oder Ranke-Heinemann, Uta: Nein
und Amen - Anleitung zum Glaubenszweifel; Knaur TB 1994) werden hier die Zitate als
wörtliche Beschreibungen der Ereignisse aufgefasst, so als hätten sie sich als im Kern robust
gegenüber den vielfältigen Verzerrungen in der oralen und schriftlichen Tradition
erwiesen.
(5) Das Modell ist kurz und prägnant beschrieben in den Seminarpapieren zum Master-
Practitioner Training von NLP Comprehensive, USA; und sehr breit beschrieben in: Andreas/
Andreas : Core Transformation, Real People Press 1994
 (6) Das Modell ist beschrieben in: Dilts, Robert "Die Veränderung von Glaubenssystemen",
Junfermann 1993
(7) Vielleicht kann man sagen, dass er sehr, sehr lange von den Ericksonianern die Auffassung
in die Praxis umgesetzt hat, dass alle Menschen verschieden sind und deshalb unterschiedlicher
Hilfe bedürfen.
(8) vergl. Handout zum NLP Health Certification Training 1993, Berlin
(9) Wolfgang Lenk: "Krebserkrankungen" in: Revenstorf, D. (Hrsg.) "Klinische Hypnose,
Springer Verlag 1993
(10) Dilts, R: The Cognitive Pattern of Jesus of Nazareth; Dynamic Learning Publication,
1992. Ich verdanke der Arbeit und dem Wirken von Robert Dilts sehr viele Impulse, nicht
nur für diese Abhandlung.
 


Bayrische Grüsse
WGS
Einen Weg, einmal eingeschlagen, gilt es zu Ende zu gehen. Eine Welt die aufgehört hat, sich zu verändern, hat aufgehört lebenswert zu sein.
Neid und Gier, diese Attribute können in kleinen Dosen hilfreich in der Evolution sein, geraten sie außer Kontrolle sind sie der Anfang vom Ende von Allen!!

Offline Unikat

  • ASA Mitglied
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Heilte Jesus nach Nlp Methoden?
« Antwort #1 am: 15. 03. 2007 | 20:22:36 »
Hmm ich habe 2 auffassungen von den ""heilungen des jesus" aber möchte nur eine hier erwähnen.....

nun früher sprachen die menschen sehr poetisch/altmodisch*kenn keinen besseren ausdruck dafür* das bedeutet:

wir haben jesus und jonathan, diese sind freunde.
jonathan hat eine frau......sie geht fremd.
jesus sieht/bemerkt es...erzählt es jonathan.

jonathan erzählt später zu seinen freunden:

mein gott ich war blind *keine erkenntnis vom fremdgehen seiner frau*
jesus kam zu mir und öffnete meine augen, und ließ mich wieder sehen*

eben altmodisch gesprochen, bildlicher/sinnlicher erklärt, wenn man nun vieles umschreibt von alt auf neu merkt man das garnicht mehr soviel mystisches an vielem ist als man glaubt......

die menschen hatten auch für viele dinge/situationen/emotionen oder ähnliches keine begriffe so wie wir heute.

was nicht bedeutet das ich diese meinung ganz vertrete nein es sollte mehr ein denkanstoss werden.

in liebe unikat